Analytische Langzeittherapie („Psychoanalyse“)

Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren in der Regel 240 Stunden (160 plus 80 Stunden). In manchen Fällen können abschließend noch weitere 60 Std. beantragt werden. Die Psychotherapie-Richtlinien schreiben eine Sitzungsfrequenz von 3 Stunden in der Woche vor, wobei die Behandlung in der Regel in der „klassischen“ Couch-Anordnung durchgeführt wird. In der längerfristig angelegten Behandlungsdauer (2-3 Jahre) können dadurch, dass sich Analytiker und Analysant im Vergleich zur „KZT“ oder „TfP“ häufiger sehen, mit der grundsätzlich gleichen Methode des analytischen Diskurs-Gespräches Erfahrungen und Ereignisse aus der gerade auch als problematisch und schwierig empfundenen persönlichen Alltagspraxis intensiver aufgenommen, detaillierter aufgefächert und sowohl besser verstanden als auch besser bewältigt werden. Aktuelle Konflikte und Symptombildungen können so über den dann entstehenen Behandlungsprozess auf tieferliegenden unbewussten Bestandteile detailliert erforscht und in aktueller Gegenwärtigkeit und Präsenz auch detaillierter verändert werden. Die Analyse der in das Unbewusste verdrängten Wünsche, Ängste und traumatischen Erfahrungen im analytischen Dialog ermöglicht durch Bewusstwerdung eine erweiterte Wahrnehmung von Konflikten und die Erarbeitung von Strategien deren optimalen Lösung und zufriedenstellenden Integration. In der Regel können dann durch ein wiederholtes Durcharbeiten der bislang unbewussten und krankheitsverursachen biografisch-aktuellen Konstellationen die krankheitswertigen Symptome aufgelöst oder aufgelockert und die neuen Handlungsperspektiven und Handlungsentscheidungen stabilisiert werden.

Im Gegensatz zu der weitläufigen Meinung, wie diese in Karikaturen, in Zeitschriften oder Filmen zum Ausdruck kommt, arbeite ich nicht schweigend mit einem Notizblock in der Hand, sage nichts und lasse den Ratsuchenden seine Lösungen „selber..“ finden. Ich suche auch nicht an erster Stelle im Sinne eines „Goldgräber-Modells“ nach „den“ eigentlichen, verschütteten Ursachen in der Kindheit, da, wie wir heute wissen, diese alleine in ihren Auswirkungen auf die Persönlichkeits- und Charakterbildung über bloße Erinnerung und Bewusstwerdung keinesfalls verändert werden kann. Vielmehr hat für mich in der psychoanalytischen Behandlungsmethode eine präzise Verständigung im analytischen Gespräch über aktuelle Situationen und Erlebnisepisoden im Hier-und-Jetzt von Präsenz absoluten Vorrang. Erst über die Erschließung von Sinn und Bedeutung in der genauen gemeinsamen Verstehensarbeit werden dann Einschränkungen von Wahrnehmung , Denken und Handeln erkennbar, deren Gründe mit Erfahrungen in der Vergangenheit und der Kindheitsgeschichte sinnvoll in Zusammenhang gebracht werden können. Erinnerungen an die Kindheitsgeschichte erscheinen dabei eher als die Folge einer genauen analytischen Arbeit im Hier-und-Jetzt.